Die Stadt der Zukunft in Herne: Urban Utopia University

Vom 20. bis 24. August  fand die Urban Utopia University in Herne statt.  An vier Tagen gab es Workshops mit Künstler*innen und Theoretiker*innen rund um das Thema „Stadt der Zukunft“ und Theorie des Urbanen. Mit dabei war auch ich mit der Essbaren Stadt!

Mitten im Herner Stadtraum, direkt am Bahnhof Wanne-Eickel, hat die Urban Utopian University im Rahmen des pottfiction-Camps ihre Zelte aufgeschlagen. Workshops, Vorträge und sonstige Inputs wie Performances gab es rund um die Stadt der Zukunft. Teilgenommen haben junge Menschen der Rurgebietstheatergruppen. Da die morgendlichen Input-Slots auf der Straße stattfanden, waren sie offen für alle. Naja, wie das so ist, so wirklich viele haben sich nicht spontan dazugesellt.

Leider konnte ich das auch in meinem Beitrag nicht überprüfen, da dieser wegen des einsetzenden Regens in die Flottman-Hallen nach Herne, also direkt ins pottfiction-Camp, verlegt wurde. Es war auf jeden Fall eine tolle, entspannte, kreative und visionäre Atmosphäre dort. Auch wenn jetzt die Interaktion im öffentlichen Raum so nicht stattfinden konnte, hatte ich doch Gelegenheit dieses Tolle Camp kennenzulernen und bin natürlich auch die „Allee der Visionär*innen“ entlang geschritten!

 

Wie also war es mit so viel Enthusiasmus und kritischem Potential über die konkrete Utopie der Essbaren Stadt zu diskutieren? Straßen aus Spaghetti, Bäume aus Pommes und es regnet Käse, so sieht für einen Teilnehmenden die Essbare Stadt aus. Wunderbar! Endlich mal nicht der olle Apfel am Straßenrand! Keine Denkbegrenzungen! Das Spinnen einer völlig unmöglichen Realität.

Nicht nur an den Apfel am Straßenrand und die Pommesbäume dachten die Jugendlichen bei der Essbaren Stadt, sondern auch an mehr Bewusstsein und einen kritischen Blick auf unsere Lebensweisen.

Aber warum sollten wir uns mit solchen „Schnapsideen“ befassen? Weil sie ungeahntes Potential zur Realisierung in sich tragen. Im Projektmanagement nennt man solche Diskussionbeiträge „dark horse“. Das kommt ursprünglich aus dem Pferderennen: man setzt auf das Pferd, das die geringsten Siegeschancen hat und gewinnt trotzdem ganz unerwartet. Und solche als abwegig abgestempelte Ideen beinhalten manchmal ganz ungewöhnliche Wege zur Zielerreichung auch wenn sie zunächst nicht viel mit dem Ziel zu tun zu haben scheinen. Aber sie vereinfachen es uns aus den gewohnten Strukturen herauszudenken. Eine Notwendigkeit, die wir zur Umsetzung lebenswerterer und nachhaltiger Städte noch viel, viel stärker kultivieren müssen.

Was bedeutet eine essbare Stadt – über den Apfel am Straßenrand hinaus? Was ist eine konkrete Utopie? Warum ist es wichtig, dass wir uns damit beschäftigen? Und was ist eigentlich dieser Raum, in dem wir uns befinden, in dem die essbare Stadt entstehen kann?

Das waren die Fragen, die ich versucht habe in meinem Parforceritt durch zwei Jahrtausende urbane Grünentwicklung unterzubringen. Und dabei bediente ich mich auch der Szene aus Metropolis, die auch schon im Politischen Salon am 4.6. das Gespräch eröffnet hat. Zudem erinnerte ich mit der Geschichte des Schweinehirten Jörgen aus dem Muttental an die Entdeckung der Steinkohle im Ruhrgebiet und zeigte deren Relevanz für unseren heutigen nach wie vor fossilen Lebensstil auf.

Schwafel, schwafel, schwafel! Viel erzählt habe ich, aber auch die Teilnehmenden kamen – durchaus in anderen Rollen – zu Wort.

Da die Zeit leider etwas knapp bemessen war, kam meiner Vorstellung nach die kritische Diskussion mit den Teilnehmenden zu kurz. Wir sprachen noch darüber, warum es eine konkrete Utopie braucht, warum wir andere als die Mainstream-Ideen nicht als „utopisch“ abkanzeln sollten. Gemäß dem Transition-Ansatz verändert das Tun den Blick auf die Welt, man erfährt die eigene Macht (im Gegensatz zur häufig artikulierten Machtlosigkeit in Diskursen über eine Veränderung der Welt) und erarbeitet kollektive Zielvorstellungen zur Gestaltung unserer Städte. Dies entspricht übrigens dem kritischen Raumverständnis der Neuen Kulturgeographie: Raum ist das soziale und politische Werkzeug zur Transformation!

Um die Selbstwirksamkeit dieser Aussagen zu erfahren, sind wir am Nachmittag dann mit dem Gemeinschaftsgärtner Frank Münter an die Konkretisierung unserer Utopien gegangen  und haben eine wunderschöne Hochbeet-Sitzbank-Rank-Kombination für das Stadtteilzentrum Pluto erbaut. Ein weiterer Schritt zu einem essbaren Herne, denn viel wird dort schon im Garten kultiviert!

Werkel, werkel, werkel! Gearbeitet wird mit gebrauchten, unbearbeitetem Holz.
Gruppenfoto vor vollendetem Werk
Es wächst und gedeiht in Herne…

Gerne möchte ich einmal mit anderen Menschen völlig verrückte Städte erdenken und kreativ zustande kommen lassen. Wer hat Ideen wie wir das machen können? Am 10. November 2018 biete ich wieder einen Workshop zur Essbaren Stadt in der VHS Essen an 😉

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