„Das Einzige, was ihr euch von uns abgucken könnt, ist der Name!“

Gerne gebe ich meinen Blogtexten ein Zitat, das ich auf einer Veranstaltung aufgeschnappt habe, als Titel. In der Regel sind es aber nicht meiner eigenen Zitate, wie hier, sondern die Aussagen anderer Menschen. Und zugegebenermaßen dieses Zitat klingt recht polemisch. Aber es ist mit augenzwinkernd gemeint.

Aber Stopp! Worum geht es hier eigentlich? Was für einen Namen kann sich wer von wem abgucken? Wenn ich hier blogge, dann geht es, klar, wieder mal um die Essbare Stadt. So auch heute. Und es geht um Essen, also die Stadt Essen. Und auch wieder nicht. Denn hier berichte ich von zwei Veranstaltungen, bei denen ich in den letzten Wochen war:

Zum einen wurde ich vom Ausschuss „Essbare Stadt“ des Ernährungsrats für Köln und Umgebung eingeladen von den Erfahrungen des Projekts „Essbares Essen“ zu berichten und mich mit dem Ausschuss auszutauschen. Zum anderen war ich am 4. November beim Politischen Suppentopf NRW im LutherLAB in Bochum, der vom Ernährungsrat Bochum (in Gründung) und  dem Netzwerk der Ernährungsräte ausgerichtet wurde. Ziele dieses NRW-Suppentopf waren die Ernährungsinitiativen  regional vernetzen, Erfolge und Herausforderungen des Engagements zu diskutieren, aber genauso auch gemeinsam zu Schnippeln und zu Essen.

Essen ist politisch!

Und hier ist nicht die Stadt Essen gemeint, sondern unsere Ernährung. Die Zeit ist reif für eine Ernährungswende, wie die  vielen ernährungspolitischen Initiativen wie Ernährungsräte, Urban-Gardening-Gruppen oder Lebensmittelretter*innen beweisen.

Erste und spontanste Form der Vernetzung: mensch besucht sich gegenseitig. So war eigentlich ein Besuch des Kölner Ausschuss „Essbare Stadt“ des dortigen Ernährungsrats im September in Essen geplant.  Aufmerksam wurden die Kölner*innen auf uns tatsächlich durch unseren Politischen Salon am 4. Juni 2018 (Yeah, die Veranstaltung hat zur interregionalen Vernetzung beigetragen!). Leider konnte kein gemeinsamer Termin gefunden werden. Also habe ich die Initiative ergriffen und angeboten bei einem der regelmäßigen Ausschusssitzungen in Köln teilzunehmen und von den Entwicklungen in Essen zu berichten. So war ich am 23. Oktober 2018 in den Räumlichkeiten des Kölner Ernährungsrats zu Gast.

Tja, und eingestiegen bin ich mit meinem Bericht mit der eingangs aufgegriffenen Aussage „Abgucken könnt ihr euch von uns nur den Namen“. Ich wollte damit die Erwartungen etwas herunterschrauben, die ich angesichts so einer krassen Infrastruktur des Ernährungsrats Köln erwartete. Der Ernährungsrat Köln ist der erste Ernährungsrat im deutschsprachigen Raum, hat eine eigene Organisationsstruktur, schlagkräftige Beteiligte, strukturell sind Politik und Verwaltung eingebunden und er erhält finanzielle Förderung. Damit sind die Bestrebungen in Essen nicht zu vergleichen. Daher, nur der Name ist für eine Essbare Stadt Gold Wert: Essen!

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht um Essen bestellt, denn wir haben hier ja das großartige Projekt der Bonnekamp-Stiftung, das eigentlich überregionale Bedeutung hat, nur leider wegen (mindestens) Geringschätzung durch die Essener Verwaltung und Politik nicht sein gesamtes Potential entfalten kann. Wenn die Kölner*innen also demnächst in Essen sind, dann müssen sie sich unbedingt die Bonnekamphöhe anschauen (wie es ursprünglich auch geplant war).

Go Essbare Stadt, go! In Köln! Und Essen???

Interessant für die Kölner*innen waren meine Tätigkeiten im Rahmen des Projektbüros der Grünen Hauptstadt Europas zur Förderung der Essener Gemeinschaftsgärten. Was hat sich bewährt: Schilder oder Flyer? Was braucht es zuerst: Flächen oder Gärtner*innen? Was tun bei Vandalismus? Was machen wir mit der miesen Boden- und Luftqualität in den Großstädten? Welche Bündnisse und Allianzen sind für die Akteur*innen vorteilhaft? Hier sind die Fragen aus Köln genau die gleichen gewesen, die mir auch in den vergangenen zwei Jahren im Projektbüro begegnet sind.

Nun muss ich hier erwähnen, dass es in Köln keine direkte Förderung für urbanes Gärtnern gibt (von diesen allerdings sehr umfangreichen Informationen abgesehen) – in Essen bestand diese – zuvorderst und wahrscheinlich sehr wichtig in Form eines Ansprechpartners – aber auch nur in den vergangenen zwei Jahren. Wie es zukünftig weitergehen wird, ist fraglich, zumal keine aktuelle Website o.ä. existiert (statische Infos bietet die Transition-Town-Website). Und ein großer Unterschied, daher führte ich mich auch zu der Aussage verleitet, dass die Kölner*innen von unserer Stadt nur den Namen abgucken können, ist, dass es in Köln mit dem Ernährungsrat und seinem aktiven Ausschuss eine gut etablierte Institution gibt, die progressiv politische Arbeit zur Umsetzung der Strategie einer Essbaren Stadt leistet.

Aktionsplan Essbare Stadt Köln – nicht Essen! (auf’s Bild klicken)

Hier in Essen sind es leider nur drei, vier mir bekannte Personen, die sich diesem Thema verschrieben haben. Deren politischer Einfluss ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem Ernährungsrat. Hier möchte ich auf die Anfrage von Juni verweisen, die ich mitsamt Unterschriften von 54 Unterstützer*innen an die Essener Ratsfraktionen verschickte: Wie stehen Sie zum Thema „Essbare Stadt Essen“? Antwort innerhalb von vier Monaten: null. Keine Antwort einer einzigen Fraktion. Sehr enttäuschend.

Tja, und der Ernährungsrat in Essen, der muss sich leider noch finden. Er besteht aus einer kleinen Gruppe sehr engagierter Menschen aus der Bio(land)wirtschaft, Ernährungsbildung und der weiteren Transition-Bewegung. Also alles Menschen, die eh schon sehr engagiert sind und sich weiter ehrenamtlich um dieses tolle Projekt kümmern. Leider von Politik und Verwaltung noch nicht bis zu wenig wahrgenommen.

Hochbeet mit innovativer Bewässerungslösung vor dem LutherLAB in Bochum-Langendreer.

Aber viele dieser tollen Menschen aus Essen und Köln traf ich dann am 4. November beim Politischen Suppentopf wieder. Und die politische Ernährungsszene in NRW hat sich im vergangenen Jahr schon ganz gut entwickelt, waren doch außerdem noch Initiativen aus Aachen, Bochum, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Pulheim und Wuppertal anwesend – insgesamt knapp 40 Menschen! Sicherlich hat dazu auch der erste Kongress der Ernährungsräte Deutschlands vor einem Jahr –  ja! – in Essen beigetragen. Das Treffen in Bochum diesen November diente neben der Vernetzung auch dazu sich gemeinsam auf den Kongress dieses Jahr in Frankfurt/Main vorzubereiten.

Wohl behütet ging es beim Politischen Suppentopf im LutherLAB in Bochum zu 🙂

Nach dem gemeinsam Schnippel folgte zunächst die Vorstellung der einzelnen Ernährungsrat-Initiativen und dem Stand ihrer Tätigkeiten im Plenum. Nach einem tollen Mittagessen, das komplett aus geretteten und gespendeten Lebensmitteln, live während der Veranstaltung zubereitet wurde gingen wir in Kleingruppenarbeit an die Beratung konkreter Handlungsfelder, Themen waren u.a. die Organisation und Struktur von Ernährungsräten, die Regionalvermarktung, Ernährungsbildung und die Essbare Stadt.

Nur ein Teil des ganzen gespendeten Essens…
Hmmmm, lecker Süppchen!

Micro-Farming und „Eh-da-Flächen“

Ein kurzes Fazit aus den beiden Gruppen, in denen ich gearbeitet habe: Spannend fand ich, dass die anderen Teilnehmenden der Gruppe „Essbare Stadt“ ohne, dass ich es zunächst erwähnte, ebenfalls der Ansicht waren, dass eine Essbare Stadt eine entschleunigte  mit autofreien Zonen Stadt ist. Das erfreute mich, bestätigt es doch meine Vision. Außerdem rückten die „Eh-da-Flächen“ in den Fokus: Flächen, die jetzt „mindergenutzt“ werden, also kleine Grün- oder Brachflächen, die z.B. meist als Hundeklo oder Parkplatz genutzt werden. Außerdem müsse das Bewusstsein für eine Essbare Stadt in Politik und Verwaltung (hier konkret Stadtplanung!) drastisch erhöht werden; damit z.B. in erster Instanz die „Eh-da-Flächen“ zu neuer, fruchtbarer Blüte kommen.

Und die Ergebnisse der zweiten Arbeitsgruppe fügten sich, oh wunder, nahtlos in die Visionen von essbaren Städten ein: mehr dezentrale Produktion (Micro-Farming), mehr Verantwortung und Eigeninitiative der Konsument*innen und Ernährungsbildung in den Gemeinschaftsgärten.

Ergebnisse der Gruppe „Essbare Stadt“

 

Ergebnisse der Gruppe „Regionalvermarktung“

Und was denkt ihr über die Essbaren Städte, die Ernährungräte und die unterschiedlichen Entwicklungen und Strukturen in Köln und Essen? Kommentiert hier oder bei Facebook 🙂

Fotos: Jörn Hamacher/IfN

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Das Konzept des ökologischen Fußabdrucks ist wahrscheinlich den meisten Menschen aus der Nachhaltigkeits-Community bekannt. Und genau so bekannt ist, dass wir schon ziemlich viel Wissen davon haben, wie wir unser Verhalten und die sozio-politischen Strukturen ändern könnten, um die Große Transformation zur Nachhaltigkeit anzustoßen und umzusetzen. Aber doch passiert überraschend wenig. Was für ein Dilemma!!! „Was kann ich tun? Infoabend zum Germanwatch Hand Print“ weiterlesen

Die Stadt der Zukunft in Herne: Urban Utopia University

Vom 20. bis 24. August  fand die Urban Utopia University in Herne statt.  An vier Tagen gab es Workshops mit Künstler*innen und Theoretiker*innen rund um das Thema „Stadt der Zukunft“ und Theorie des Urbanen. Mit dabei war auch ich mit der Essbaren Stadt! „Die Stadt der Zukunft in Herne: Urban Utopia University“ weiterlesen

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„Die Stadt mit ins Beet holen“…

… Das war ein schöner Freud’scher Versprecher, den eine Teilnehmerin am Workshop „Essbares Essen. Wir gestalten eine konkrete Utopie“ am 14.4.2018 gemacht hat. Hier findet ihr einige Eindrücke und Ergebnisse sowie nächste Schritte. „„Die Stadt mit ins Beet holen“…“ weiterlesen

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Essen wird essbar!

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