Essen, da wo mensch is(s)t

Im Rahmen des monatlich stattfindenden Transition-Town-Treffens habe ich am 20. März 2018 einen Mini-Workshop zur „Essbaren Stadt“ gegeben. Hier ein kleiner Bericht.

Rund 20 Menschen sind der Einladung zum Treffen der Transition Town-Gruppe „Essen im Wandel“ in den Freiraum Weberplatz gefolgt. Ein Großteil ist bewusst wegen des Miniworkshops zur „Essbaren Stadt“ gegangen. Es ging nicht um eine Stadt aus Lebkuchenhäusern, sondern um lokale urbane Nahrungsmittelproduktion.

Die Sammlung der Vorstellungen und Assoziationen zum Thema des Abends „Essbare Stadt“ zeigte, dass viele der Anwesenden schon relativ konkrete Vorstellungen so einer „essbaren Stadt“ haben. Genannt wurden u.a. die Stadt Andernach als Vorbild, Gemeinschafts- und Pflückgärten, ein Ernährungsrat, gesunde Nahrung für alle und Essen da, wo mensch gerade ist.

Den Apfel am Straßenrand zu pflücken, das ist eines der Bilder, was die Vision einer „essbaren Stadt“ transportiert. Welche Relevanz solch eine Vision hat und welche historische Entwicklung die urbane Nahrungsmittelproduktion genommen hat, erläuterte ich anschließend in einem Vortrag. Der Anbau von Gemüse, Obst, aber auch Getreide und die Tierhaltung in der Stadt sind keineswegs hippie-eske Erfindungen urbaner Milieus, sondern waren seit ihren Anfängen Merkmale europäischer Städte. Einen entscheidenen Punkt in der Verdrängung des (essbaren) Grüns aus der Stadt, aber genauso für dessen (punktuelle) Reintegration spielte die Genese der industriellen Großstadt.

Auch heute noch leben wir in den industriellen Strukturen, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert haben. Die Vision einer „essbaren Stadt“ nicht nur als eine grünere, sondern auch gemeinschaftlichere, solidarischere, lokalere kann eine Alternative zu den städtebaulichen Leitbildern des ungebremsten (fossilen) Wachstums sein. Aufgezeigt habe ich in diesem Zusammenhang welche Ansätze und Beispiele aus anderen Städten, Regionen, Initiativen oder Unternehmen es dazu schon gibt.

Um eine „konkrete Utopie“ einer essbaren Stadt zu erarbeiten aber auch umzusetzen bedarf es einer Vielzahl Beteiligter, von der klassischen Politik und Verwaltung auf allen Ebenen, über zivilgesellschaftliche Einrichtungen, wissenschaftliche Expertise zu Wirtschaftsunternehmen. Wie das konkret für Essen und das Ruhrgebiet aussehen kann, war Aufgabe für alle am Abend Anwesenden in Form eines kleinen World Cafés zu diskutieren.

„Was kann ich selber tun?“, „Was können Verwaltung und Politik tun?“, „Was kann ‚die‘ Wirtschaft tun?“ und „Wen oder was braucht es noch“, um die „Essbare Stadt Realität werden zu lassen, so lauteten die Fragen in den Diskussionsgruppen.

Auch wenn nur wenig Zeit zur Verfügung stand, so kamen doch schon einige schöne Ideen zusammen. Zum Beispiel gibt es einen Bedarf an Vorbildern und geeigneten Austausch und Vernetzung. Unternehmen könnten ihre Beschäftigten in der Arbeitszeit für gemeinschaftliches Gärtnern freistellen. Jede*r persönlich könnte als Lobbyist*in für das Thema im Alltag auftreten. Und Politik und Verwaltung sollten mehr Mut zeigen und auch Alternativem zum ‚business as usual‘ wagen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Beteiligten des Abends für deren engagierte Teilnahme bedanken. Ich hoffe, ich konnte den Samen der Vision  einer „essbaren Stadt“ säen und die Beteiligten dazu ermutigen mit anderen darüber zu sprechen und weiterhin ihre eigenen Ideen einzubringen. Am 14. April 2018 findet von 10 bis 17 Uhr ein Workshop in der VHS von mir zu dem Thema statt, bei dem wir vertieft in die Diskussion einsteigen wollen. Eine Anmeldung ist nur über die VHS  möglich. Bitte die Begrenzung der Teilnehmenden beachten. Daher ist eine frühzeitige Anmeldung ratsam.

Fotos: Jörn Hamacher, Anne Burzlaff

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