Auf nach Nimwegen: Austausch zur Grünen Hauptstadt Europas

Es gibt Austausch zwischen den Grünen Hauptstädten Europas, allerdings hauptsächlich zwischen der Verwaltung und Politik. So kam z.B. ein Staffelstab von der zukünftigen Grünen Hauptstadt Europas – Nimwegen 2018 nach Essen: Zur Eröffnung des Essener Grüne Hauptstadtjahres hat der Nimwegener Bürgermeister Herrn Kufen einen Staffelstab überreicht.  Auf dem Bild findet sich der Staffelstab am Lenker.

Staffelstab

Der Austausch zwischen Bürger*innen erfolgt allerdings selten. Eine der wenigen Möglichkeiten stellte die Radtour von Essen nach Nimwegen dar. Diese wurde von WissenSchaffenWandeln und dem ADFC Essen organisiert und fand Ende April statt. Der Staffelstab begleitet uns bei den verschiedenen Stationen.

Die Tour startete in Essen an der Grugahalle und führte über Mülheim, Oberhausen, die Zeche Sterkrade, die HOAG-Trasse und die Rheinfähre bei Walsum nach Rheinberg.

Gruppenfoto in Rheinberg

Hier hatten wir die Gelegenheit uns mit Jens Harnack, ein langjähriger Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Sachen Klimaschutz, zu unterhalten. Er bringt viel Erfahrung in der Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Bürger*innen mit und stellte spannende Projekte auf die Beine. Aktuell werden durch das Netzwerk Energiewende Niederrhein verschiedene Projekte entwickelt und angestoßen. Dazu gehören z. B. die Mieterstromgenossenschaft oder die Solawi Niederrhein e.V. Aber auch schon vor vielen Jahren war das Thema Energiewende in Rheinberg durch die ersten Bürgerwindräder präsent. Die damals gebauten Windräder sind nun schon fast zwanzig Jahre in Betrieb und deren weitere Nutzung steht zur Diskussion. Dies erzählte uns der Geschäftsführer der Bürgerwindräder bei einer Vor-Ort-Besichtigung.

Bürgerwindräder in Rheinberg

Von Rheinberg fuhren wir weiter nach Xanten und übernachteten dort in der Jugendherberge. Der Samstag begann mit einem etwas windigen Streckenabschnitt nach Kleve. Zur Mittagspause waren wir hier mit Karla von Transition Town Nimwegen und Ronald von de Broikas verabredet. Das letzte Stück der Strecke nach Nimwegen führte uns Ronald durch die Naturlandschaften am Rhein entlang und erzählte darüber. Dort gibt es unter anderem ein Naturschutzgebiet mit Wildpferden. Auch hier war der Staffelstab dabei:

Tourenleiter Hilmar mit dem Staffelstab

Auf der Fahrt konnten wir uns mit Ronald und Karla unterhalten und erfuhren von vielen Projekten aus Nimwegen. Transition Town Nimwegen organisiert z. B. Permablitze. Hier werden Gärten und Vorgärten an einem Tag von einer Gruppe nach Permablitz-Standard gestaltet. Auch die Fahrradinfrastrukturen in Nimwegen waren Thema.

In Nimwegen angekommen, bezogen wir unsere Nachtquartiere. Danach machten uns dann auf den Weg zu einem ökologischen Wohnprojekt. In dem dortigen Gemeinschaftsraum aßen wir zu Abend und trafen uns mit  Ton Verhoeven, Mitarbeiter in der Stadtverwaltung Nimwegen. Ton schrieb maßgeblich an der Bewerbungen zur Grünen Hauptstadt der Stadt Nimwegen mit und bereitet das Jahr 2018 vor.

Nimwegen ist im Vergleich zu vorherigen Grünen Hauptstädten eine relativ kleine Stadt. Dementsprechend stehen weniger Ressourcen zur Verfügung. Den Erwartungen der Europäischen Kommission zur Förderung der Umweltaktivitäten (große Veranstaltungen, internationale Konferenzen etc.) an die jeweiligen Städte müssten entsprechende Unterstützungen gegenüberstehen.

Dennoch wurde ein großes Programm in Nimwegen entwickelt, welches in den kommenden Monaten vorgestellt werden wird. Nun ist aber schon klar, dass es im Jahre 2018 Nachhaltigkeitscafés zu verschiedenen Themen geben wird. In zwölf Gruppen können alle Bürger*innen die Themen mit Bezug zur Stadt vorbereiten und Challenges formulieren. Unter anderem werden Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, Lebensmittel, Energie und Abfall in jeweils einem Monat vorgestellt und zum Mitmachen motiviert.

Sowohl die Zusammenarbeit mit Bürger*innnen, aber auch die Umstrukturierung der städtischen Verwaltung hörte sich sehr überzeugend an. In der Praxis, so deuteten einige Engagierte aus Nimwegen an, hakt es dennoch.

Es berichteten aber nicht nur die Menschen aus Nimwegen über ihre Aktivitäten. Auch Projekte von Transition Town Essen, dem ADFC Essen und WissenSchaffenWandeln wurden diskutiert und die Rolle für die Grüne Hauptstadt Europas skizziert. Insbesondere konstruktive Kritik wird auch aus Nimwegener Sicht als hilfreich empfunden.

Ton lenkte das Gespräch aber nochmals auf  den Staffelstab: Der Kern des Stabes beinhaltete einen  USB-Stick, auf dem Initiativen aus Nimwegen jeweils ihre Aktivitäten mit Blick auf die Grüne Hauptstadt dokumentiert haben. Zudem hat die Stadt Nimwegen ein Versprechen hinzugefügt: die Stadt unterstützt Essen bei drei Aktivitäten. In der Diskussion wurden schnell deutlich, dass gerade die Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und Bürger*innen und den verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten ein Gegenstand für einen gemeinsamen Workshop sein könnte. Welche Themen aufgegriffen werden, liegt natürlich bei der Projektleitung der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017. Ideen dafür bringen wir aus Nimwegen aber allemal mit.

Gruppenfoto in Nimwegen

Nach dem Gruppenfoto bekamen wir während einer nächtlichen Radtour durch Nimwegen einen ersten Eindruck von der sehr gut ausgebauten Fahrradinfrastruktur. Diese wurde uns am nächsten Tag von Dirk Bussche ausführlich gezeigt. Auf einer Radtour über den die Stadt umgebenden Ring und den gut ausgebauten Radschnellweg zwischen Arnheim und Nimwegen wurde deutlich, wie verschieden die jeweiligen Radwege sind. Parallele Fahrradstreifen zur PKW-Fahrbahn sind eher die zweite Wahl. Besser fährt es sich auf eigens für Fahrräder geplanten Strecken, die teils unabhängig von den PKW-Straßen geführt werden. In Essen wird dies ja nur für den Radschnellweg Ruhr (RS1) –  und hier ja leider noch nicht einmal konsequent – gedacht.

Aber nicht nur die Radwege, auch die Fahrraddienstleistungen, sind vielfältig in Nimwegen. Dies konnten wir bei einem Zwischenstopp auf dem ehemaligen Industriegelände der Firma Honig machen. Dort war Tag der offenen Tür beim Lastenradzentrum. Wir konnten verschiedenste Lastenräder und andere Nutzräder betrachten.

Vor unserer Rückreise über Arnheim bzw. Kleve, besichtigten wir noch Karlas Zuhause. Dieses Haus ist vergleichbar mit vielen in den 1970er Jahren gebauten Wohnhäusern, die geringe Dämmung aufweisen und häufig Gasheizung nutzen. Eine durchdachte energieeffiziente Sanierung ist somit ein Vorbild für viele andere Häuser in den Niederlanden. Überraschend ist es aus deutscher Sicht, dass strombetriebenen Heizsystemen gegenüber den installierten Gasheizungen der Vorzug gegeben wird.

Die kleinen Gärten vor und hinter dem Haus sind entsprechend der Permakulturprinzipien gestaltet. Hier können auch auf kleinen Platz viele verschiedene Kräuter und andere Pflanzen angebaut werden. Der hintere Garten wurde ebenfalls in einer Permablitz-Aktion gestaltet.

Kennzeichnung der Baumscheiben

An Baumscheiben wurden wir auf ein Symbol aufmerksam: Karla erzählte, dass die Stadtverwaltung so die Baumscheiben kennzeichnet, welche durch Anwohner*innen gepflegt werden. Von solche Kleinigkeiten, die leicht übertragbar sind und augenscheinlich logisch sind, lassen sich sicher noch einige entdecken. Sie zeigen, dass der Austausch auch für Initiativen und Vereine hilfreich ist und es möglich macht, viele gute Ideen direkt in der Anwendung zu erleben.

Wir freuen uns schon auf den Besuch aus Nimwegen und zeigen interessanten, aber auch die schwierigen Stellen der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017!

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