Wirtschaftsförderung für Wachstum in Essen

Am 8. März 2017 werden wir in einer Podiumsdiskussion mit Michael Kopatz, Wuppertal Institut, und Jochen Fricke, stellvertretender Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderung (EWG), über die Frage diskutieren, wie wir alternativ in der Grünen Hauptstadt Europas wirtschaften können. Die beiden Gäste stehen für verschiedene Konzepte. Jochen Fricke verfolgt in seiner Funktion eine auf ökonomisches Wachstum ausgerichtet Wirtschaftsförderung. Bei dieser Form der Wirtschaftsförderung werden Unternehmen, welche bereits in Essen vertreten sind unterstützt und neue Unternehmen sollen angesiedelt werden. Das Ziel ist es, die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen. Die insbesondere in den letzten Jahren genutzte Strategie des Clustermanagements spricht dazu ganz gezielt Unternehmen einer spezifischen Branche an. Ein Beispiel aus Essen ist der Ruhr:HUB. Die Verbindung von digitaler Plattform und Essener Arbeitsort soll das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft (in Form von Unternehmen aus Mittelstand, Industrie, Start-Ups) fördern und somit digitale Innovationen vorantreiben. Eine entscheidende Rolle spielt also auch die Strategie der Innovationsförderung.

In der klassischen Wirtschaftsförderung verspricht man sich, durch innovative Produkte und Dienstleistungen die Nachfrage danach zu generieren oder zu erhöhen. Das Mehr an Nachfrage führt zum Wachstum der anbietenden Unternehmen, welche dadurch weitere Arbeitsplätze schaffen und die Gewerbesteuereinnahmen des Staates bzw. der Stadt sprudeln lässt.

Durch die Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer kann eine Stadt wiederum selbst investieren, zum Beispiel in Infrastruktur. Dies können neue Straßen und die Erschließung von Baugrundstücken sein, um neue Unternehmen anzulocken. Ebenso kann in Infrastrukturen investiert werden, die zu einer Steigerung der Lebensqualität beitragen und die Stadt attraktiv für (hoch-qualifizierte) Arbeitskräfte macht.

Aber auch die Verzahnung von Bildungsinstitutionen mit möglichen Arbeitgeber*innen für die Absolvent*innen kann dazu beitragen, dass gut qualifizierte Menschen vor Ort bleiben. Dies wird besonders dann wahrscheinlich, wenn entsprechende Arbeitsplätze vorhanden sind. Da dieses Feld für Essen besonders zentral ist, verfolgt die EWG mit dem Projekt der „Wissenschaftsstadt Essen“ eine ebensolche Strategie.

Mit der Orientierung auf ökonomisches Wachstum und die Förderung exportorientierter Unternehmen und Logistikbetriebe gehen allerdings auch ein starker Ressourcenverbrauch und die Abhängigkeit von globalen Wirtschaftsprozesse einher. Eine solche „Außen-Abhängigkeit“ kann dazu führen, dass bei (plötzlicher) Ressourcenverknappung oder Nachfragerückgang die Zahl der Arbeitsplätze verringert wird und die Steuereinnahmen schwinden. Diese Abhängigkeiten zu mindern, würde sowohl das (lokale) Wirtschaftssystem als auch das Leben in der Stadt stabilisieren –  resilienter machen. Dabei geht es weniger darum, globalen Austausch zu reduzieren, als vielmehr eine (kollaborative) Susbsidiarität (Michael Kopatz, 2016, Ökoroutinen, 344) anzustreben. Damit ist, Michael Kopatz folgend, in einem ökonomischen Sinne gemeint, dass eine Produktion der Güter im Nahraum erfolgen sollte, wenn dies möglich ist. Handel über die Region bestände dann zwar weiter, aber nur für Güter, welche nicht lokal produziert werden können.

Für eine andere Form der Wirtschaft braucht es aber auch eine Förderung. Das Konzept von Michael Kopatz dazu ist sehr umfangreich und zeigt viele notwendige Aktivitäten auf. Dabei setzt es auf die Schaffung neue Angebote für Zusammenarbeit und solidarisches Wirtschaften. Die Erfahrungen der klassischen Wirtschaftsförderung können zur Förderung solcher Innovationen beitragen. Dazu können beispielsweise „Hubs“, im Sinne der Treffpunkte, oder auch Kooperationen im Bildungsbereich genutzt werden. Gerade daher scheint eine stadtspezifische Perspektive sinnvoll: sie kann vor dem Hintergrund vielfältiger bestehender Strukturen entsprechend fördern.

Auch eine Förderung der Lebensqualität und Infrastrukturen können für eine Wirtschaft eingesetzt werden, welche auf Kollaboration und Solidarität, Ressourcenschutz und das Gute Leben setzt. Dabei werden vielleicht keine neuen Gewerbegebiete ausgewiesen, sondern die Umnutzung alter Gebäude vorangetrieben. Auch können Angebote geschaffen werden, welche es erleichtert, Lücken in der regionalen Verfügbarkeit zu identifizieren und entsprechende Leerstelle für regionale Produktionsprozesse zu besetzen.

Diese ersten Gedanken und sicher viele mehr sollen bei der Diskussion am 8. März 2017, 19 Uhr im Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Institutes Essen (Goethestraße 31) vertieft werden.

Anmeldung für die Veranstaltung wird bis zum 06.03.2017 an maria.klauwer@kwi-nrw.de erbeten.

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