Was es heißt, das Salz der Grünen Hauptstadt zu sein

Die Grüne Hauptstadt Europas Essen 2017 hat eine Ideenbörse für Bürger*innen ausgeschrieben. Dazu gab es eine allgemeine Infoveranstaltung und nun eine für die geförderten Projekte. Von letzterer hatte Albert schon berichtet und konkrete Fragen über die Ausrichtung der Grünen Hauptstadt aufgeworfen. In der Veranstaltung wurde aber auch deutlich, wie das Projekt-Team der Grünen Hauptstadt mit den ehrenamtlich aktiven Menschen zusammenarbeiten will. Das wirft auch einige Fragen auf.Vorab: Die Projekte aus der Ideenbörse sind das „Salz in der Suppe“ (Ralph Kindel). Übersetzt heißt das: ohne die Projekte aus der Ideenbörse wäre das Programm der Grünen Hauptstadt sehr langweilig. Offenbar weiß das Projekt-Team das auch, denn es wurde ganz schnell und ganz oft gesagt, dass man auf Augenhöhe zusammenarbeiten wolle. Theoretisch heißt das eine transparente Vertragsgestaltung und enge Zusammenarbeit in der Kommunikation und dem Marketing, wie aus der Präsentation an dem Abend deutlich wurde.
Praktisch sind viele Vorgaben aus dem Vertrag eine Herausforderung für die ehrenamtlich aktiven Personen. Hilfestellung durch das Projekt-Team wäre dabei wünschenswert. Das fängt an bei der Notwendigkeit, eine Veranstalterhaftpflicht abschließen zu müssen, und hört auf bei dem Wunsch, bei Veranstaltungen regionales Essen auf Mehrweggeschirr anzubieten. Hier daher einige Vorschläge, wie das Projekt-Team die Arbeit der Ehrenamtlichen erleichtern könnte:
1) Die Stadt lässt sich Mehrweggeschirr für ihre Veranstaltungen „branden“. Die Kommissionsmitglieder essen bestimmt gerne von Tellern mit dem GHE-Logo drauf. Das Geschirr kann dann auch an die Projekte der Ideenbörse verliehen und nach dem Jahr verschenkt (oder, wenn es sein muss, verkauft) werden.
2) Das Projekt-Team verhandelt mit der EVAG und dem VRR ein Kombi-Ticket, welches alle Projekte der Ideenbörse ihren Teilnehmenden zur Verfügung stellen können. Ein Nachweis, dass ein Projekt zur GHE gehört, reicht aus, damit die EVAG das Ticket für günstiges Geld abgibt.
3) Genehmigungsgebühren für die „salzigen“ Veranstaltungen werden auf ein Minimum reduziert oder ganz erlassen. Die Veranstaltungen sind im Interesse der Stadt und werden auch entsprechend behandelt. Es gab schon eine Menge Ärger über Gebühren für Veranstaltungsgenehmigungen, die Ehrenamtliche für die Stadt organisiert haben. Ein entsprechender Beschluss des Rates ließe sich sicher herbeiführen.
4) Auf der zentralen Website werden Informationen zu Veranstalterhaftpflichtversicherungen, den ökologischen Alternativen und weiteren relevanten Themen zur Verfügung gestellt werden. Dabei geht es nicht darum, ein Produkt oder ein Unternehmen zu empfehlen, sondern darum, über die relevanten Rahmenbedingungen zu informieren und Entscheidungshilfen durch Label u.ä. zu ermöglichen. Beim Umweltbundesamt findet sich hierzu eine sehr gute Vorlage. Aber auch der Lebensmittelführer der Transition Town Initiative Essen wäre eine gute Informationsquelle für Bezugsmöglichkeiten regionaler und biologischer Lebensmittel.
5) Die Website kann man dann auch gleich dazu nutzen, den Engagierten eine Austauschplattform zu geben, wie mehrfach gewünscht….

Soweit nur einige Ideen, wie Ehrenamtlichen es leichter gemacht würde, das Salz in der Suppe zu sein, ohne durch die Vorgaben allzuviel Zeit für die eigentliche Projektarbeit zu verlieren. Auf Augenhöhe bedeutet für mich nämlich, dass die Möglichkeiten des Anderen berücksichtigt und wertgeschätzt werden.

Auf Augenhöhe bedeutet für mich aber auch, dass es einen inhaltlichen Austausch über Grundsätze gibt. Gestern war dafür jedenfalls kein Raum. Und auch grundsätzlich scheint es diesen nicht zu geben, so denn Leitbild und Vision ohne Beteiligung der Bürger*innen festgeschrieben waren. Die inhaltliche Grundlage der Zusammenarbeit zwischen dem Projekt-Team und dem Salz in der Suppe konnte demnach nicht gemeinsam erarbeitet werden. Ganz schön fade … Die kollektive positive Erinnerung an das Kulturhauptstadtjahr 2010 soll das wohl ausbügeln und Vertrauen in das Projekt-Team schaffen – „wir machen das“! Ob Kultur und Umwelt gleichermaßen mit Straßensperrungen beworben werden kann oder ob es da nicht mehr braucht, kann also nicht diskutiert werden. Begründet wurde das Auslassen von Diskussionen übrigens mit einer kurzen Vorbereitungszeit … es sieht eher nach einem Vorwand aus.

„Auf Augenhöhe“ verstehe ich als ein grundsätzliches Prinzip und nicht nur für einzelne Aspekte, wie die vertragliche Zusammenarbeit, geltend. Das Projekt-Team Grüne Hauptstadt arbeitet also nicht auf Augenhöhe mit ihrem „Salz in der Suppe“, sonst wären die Rahmenbedingungen von Engagement mitgedacht worden und es hätte einen inhaltlichen Austausch zu Leitbild und Visionen gegeben. Die Grüne Hauptstadt Europas Essen 2017 hätte ein Vorzeigeprojekt für Partizipation und Kooperation sein können. Dieses Potential hat sie bisher nicht voll ausgeschöpft. Vielleicht aber kommt da noch was?!

Ein Gedanke zu „Was es heißt, das Salz der Grünen Hauptstadt zu sein“

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