Regiogeld für eine andere Form des Wirtschaftens

Was können die Essener Wirtschaftsförderung und die Essener Marketing Gesellschaft anders machen? Das war eine Frage, die mir im Zusammenhang mit der Zusammenlegung der beiden Einrichtungen in den Sinn kam. Mit dem Konzept der Wirtschaftsförderung 4.0 von Michael Kopatz gibt es schon eine ziemlich konkrete Vorstellung. Regionales Geld ist ein Baustein davon.

In Essen gilt der Euro und es gibt keine alternative Währung. Der Euro gilt in den 19 Ländern der Euro-Zone (und darüber hinaus). Die Reichweite von Regiogeld ist hingegen auf eine bestimmte Region begrenzt. Das hat Auswirkungen auf Produktion und Konsum und ist ziemlich kompliziert. Wie das ganze etwa in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein mit dem „Chiemgauer“ funktioniert kann man in diesem Video der deutschen Welle sehen:

Die Vorteile einer erfolgreich eingeführten regionalen „Komplementärwährung“, wie des Chiemgauers, sind beispielsweise geringe Transportwege von Konsumgütern und die Stärkung regionaler Produktionsstrukturen. Zudem können durch Regionalwährungen lokale Gemeinschaften gestärkt werden. Finanzmarkt und Geld werden zum Thema gemacht und vielleicht auch Lücken in regionalen Produktionen gefunden, die schließbar wären.

Essener Taler

Und hier wird es für Essen als Stadt kritisch. Ein wesentlicher Teil des Einkommens in einem Privathaushalt wird für Lebensmittel ausgegeben. Wenn nun ein Teil dieser Ausgaben mit Regiogeld, nennen wir ihn hier den Essener Taler, bezahlt werden würde, müssen die für die Herstellung der Lebensmittel benötigten Grundlagen regional hergestellt und verkauft werden. Ansonsten können die Bäuerin oder der Bäcker den Essener Taler nicht einsetzen. Anbauflächen für Lebensmittel sind in einem 25 km Umfeld sehr begrenzt, allerdings zeigen Unternehmen, wie die Molkerei Kutel (schon lange geschlossen) oder auch die Biohöfe im Windrather Tal und solidarische Landwirtschaften in Gelsenkirchen oder Dortmund, dass lokale Lebensmittelerzeugung auch im Ruhrgebiet möglich ist. Urbane Landwirtschaft, wie sie durch die Bonnekamp Stiftung in Essen gefördert wird, bietet auch Anknüpfungspunkte. Vielleicht gibt es ja noch weitere Möglichkeiten hier in Essen?

Der Essener Taler ließe sicher aber auch im Bereich Dienstleistungen oder für Down-, Up- und Re-Cycling-Produkte einführen. Da gehen uns die Ressourcen in Essen sicher nicht so schnell aus. Interessante Beispiele könnten hier das Aufbereiten von Dingen sein. In Essen wird dies beispielsweise durch die Diakonie für Fahrräder aber auch für Möbel und Kleidungstücke in Beschäftigungsprojekten gemacht.

Auch in anderen großen Städten funktioniert eine regionale Währung. Bristol ist mit dem Bristol Pound ein gutes Beispiel gelungen. In Deutschland kann die Einführung des Elbtalers in Dresden verfolgt werden. In Bristol wurde die Einführung sogar von der Kommune unterstützt. Regiogeld kann natürlich auch ohne Stadtpolitik, Verwaltung oder Wirtschaftsförderung etabliert werden. Besonders interessant würde es aber sicher, wenn EMG und EWG dabei wären.

Aus Sicht des „Konzerns Stadt“, so nennt die Stadt sich selbst mit ihrer Verwaltung und Unternehmen, sind ein Essener Taler und regionale Produktionskreisläufe auf jeden Fall eine Kehrtwende: Mit ThyssenKrupp, RWE und Hochtief ist das Geld global vernetzt und die Wirtschaftsförderung entsprechend ausgerichtet. Dennoch: Für eine neue Strategie der EWG und EMG wäre Regiogeld ein interessantes Thema. Oder gehen wir noch einen Schritt weiter und suchen nach der Förderung von Commons und der tauschfreien Befriedigung unserer (Grund-) Bedürfnisse?!

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