Wirtschaftsförderung und Marketing in Essen – für welche Form des Wirtschaftens?

Die EWG (Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH) und die EMG (Essener Marketing Gesellschaft mbH) sollen vielleicht zusammengelegt werden – so die Diskussionen im Rat der Stadt Essen. Insbesondere CDU/SPD im Rat finden das richtig. Die Grünen sehen dabei die Notwendigkeit, die Messegesellschaft mitzudenken und die beiden Vereine, welche die GmbH unterstützen und zumeist von Unternehmen getragen werden, in die Debatte zur Zusammenlegung der GmbH einzubinden. In jedem Fall ist es das Ziel, bisherige Aufgaben effizienter zu erledigen. Das sind beispielsweise die Organisation von Events wie Essen.Original, die Förderung der lokalen Wirtschaft oder die Neuansiedlung von Unternehmen. Aufgaben und Organisationstruktur der Gesellschaften, so kann man dem Antrag der Grünen entnehmen, haben schon eine längere Diskussionsgeschichte. In jedem Fall sollen die beiden Unternehmen im Konzern Stadt dazu beitragen, dass die Wirtschaft in Essen wächst und die Stadt für Tourist*innen interessant ist.

So weit, so wachsend…

Was wäre aber, wenn man dieses auf Wachstum ausgerichtet Ziel verändern würde? Wie könnte Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing aussehen, wenn Lebensqualität und das „Gute Leben“ im Zentrum ständen? Beispiele hierfür gibt es schon eine ganze Menge.

Die Website Reconomy ist da eine großartige Fundgrube. Hier werden Beispiele des guten Wirtschaftens aus dem Transition Town Netzwerk zusammengetragen und Unterstützung durch Webinare, Seminare oder Kontakte gegeben.

Ebenfalls spannend ist Michael Kopatz´ Konzept der Wirtschaftsförderung 4.0. Kopatz arbeitet am Wuppertal Institut und schlägt die Förderung kooperativer Wirtschaftsformen vor. Die Sharing-Economy wäre ein Standbein, regionale und kooperative Unternehmen ein anderes. Räume für Repair-Cafés und andere Initiativen würde ebenfalls kooperatives Wirtschaften unterstützen. Und warum könnte die Wirtschaftsförderung nicht Flächen für solidarische Landwirtschaft suchen und vermitteln, wenn sie so etwas doch für Unternehmen tun?

Regio-Geld ist ebenfalls eine beeindruckende Möglichkeit lokale Wirtschaft zu stärken und könnte nach Kopatz ein Betätigungsfeld einer neuen Wirtschaftsförderung sein: denn wenn mit Regio-Geld bezahlt wird, bleibt das Geld in der Region. Bristol hat sogar ein elektronisches Bezahlsystem für den Bristol Pound eingeführt. Aber nicht nur das Wirtschaften steht beim Regio-Geld im Vordergrund, auch die Gemeinschaft wird gestärkt.

Bei einer Wirtschaftsförderung 4.0 würden nicht die Anzahl neu angesiedelter Unternehmen oder der Umfang von Unternehmensexpansionen im jährlichen Erfolgsbericht auftauchen. Vielmehr könnten darüber berichtet werden, wie viele Menschen in selbstverwalteten Betrieben arbeiten, zu welchem Anteil Lebensmittel aus regionalen Anbau erzeugt werden können oder wie der Energieverbrauch je Einwohner*in reduziert wird. Peak-Oil Berichte, wie aus Münster, könnten als Beispiele herangezogen werden.

Welche kreativen Impulse diese Konzepte für Essen geben könnten und wo diese in Essen vielleicht auch schon wirken, beschreiben und diskutieren wir hier in der nächsten Zeit. Vielleicht habt ihr ja auch Beispiele, die eine andere Form des Wirtschaftens fördern?

Zurück zur aktuellen Wirtschaftsförderung

Die komplexe Form und Organisation der EWG und EMG durchblicke ich nicht, die Ausrichtung schon. Die Frage nach der Zusammenlegung scheint mir weniger drängend, als die der inhaltlichen Ausrichtung. Die Vorschläge, die wir hier in den kommenden Wochen dazu präsentieren wollen, sehen wir als Diskussionsimpulse, mit denen wir Selbstverständlichkeiten in Frage stellen wollen. Ein komplettes Konzept wollen und können wir (noch) nicht präsentieren, denn wir begeben uns selbst gerade erst auf die Suche.

2 Gedanken zu „Wirtschaftsförderung und Marketing in Essen – für welche Form des Wirtschaftens?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.